«La danse macabre» und andere Kuriositäten


Die Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn. Interessant ist jedoch, dass sich im Spätmittelalter viele Werke finden, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die Kunst des Abendlandes zeigt eine grosse Vielfalt von Bildern und Wandmalereien, welche die Vergänglichkeit des Lebens eindrücklich darstellen. Daraus lässt sich schliessen, dass das allgemeine Todesverständnis in jener Zeit geprägt war von einer nahezu kollektiven Angst gegenüber dem Tod und der Frage nach dem «was kommt danach». Eines der ältesten Zeugnisse dieser Periode stammt aus Paris und zeigt den «danse macabre» auf dem Friedhof des Franziskanerklosters «Aux Saints Innocents». Das Gemälde wurde leider durch den Abriss der Mauer vollständig zerstört und verdankt seine Überlieferung einem Holzschnitt des Parisers Guyot Marchant aus dem Jahre 1485.


Religion und Kultur

Seit jeher bestimmten die religiösen Ansichten aller Kulturen die Einstellung zur Sterblichkeit und zur Hoffnung auf ein Fortleben nach dem Tode, was übrigens allen Religionen gemeinsam zu Grunde liegt. Werte wie Gut und Böse waren eng verknüpft mit Versprechungen zum paradiesischen Himmel oder zur ewigen Verdammnis in der Hölle, welche man durch die Idee des «jüngsten Gerichts» als Triage aufrechterhielt. Heute zeugen die verbliebenen Gemälde auch von einer damaligen üblichen Weltanschauung und könnten durchaus als moralische Unterweisung gedient haben. Jedes Volk hat seine eigenen Regeln und Rituale, wenn es um die Begleitung bis zur Bestattung eines Verstorbenen geht, hierzu haben wir bereits einige Blogbeiträge erfasst.


Grabstätte als Symbol für Leben

Im Laufe der Zeit haben sich viele Möglichkeiten gezeigt, wie man einen Menschen auch nach seinem Ableben ehrt. Grabstätten gehören zu den ältesten Zeugnissen der Kultur, sie sprechen eine stumme Sprache, bieten Gelegenheit, um innezuhalten und Zwiesprache mit dem Verstorbenen zu führen und auf die eine oder andere Weise in Kontakt zu bleiben. Die grossen Grabstätten zeugen zudem von einer Aura, die nahezu gottähnlich wirken, wie zum Beispiel keltische Kultstätten, die Pyramiden von Giseh oder Teotihuacan in Mexico mit seiner ca. 3Km langen Strasse des Todes (calzada de los Muertes).


Aus der Überlieferung wissen wir, wie viele unterschiedliche Bestattungsarten es gegeben hat. Die Geschichte liefert immer ein Verständnis darüber, warum man heute dieses oder jenes so macht, wie wir es uns gewohnt sind. Es ist ähnlich wie mit unseren heutigen Handlungsmustern, die auch auf unseren Erfahrungen, guten und schlechten Erlebnissen und einem gesunden Mass an Selbstschutz über die Zeit gewachsen sind.


Alte überlieferte Bestattungsarten

Heute bestehen Regeln und Vorschriften hinsichtlich einer möglichen Bestattung (mehr darüber hier) aber früher waren viele verschiedene Arten der Bestattung gebräuchlich und jede davon basierte auf einer tiefen Überzeugung. Bei seefahrenden Völkern wie auch in Küstennähe war eine See- oder Wasserbestattung gebräuchlich. In Indien zum Beispiel, wird die Asche dem heiligen Fluss Ganges übergeben. In anderen Regionen hat man die Baum- oder Luftbestattung bevorzugt, wo der Leichnam in Tücher gehüllt wird und auf einem Plateau, Baum oder Balkengerüst von der Sonne getrocknet wird. In anderen Ländern kannte man das «Aussetzen eines Verstorbenen» im Wald oder auf einem offenen Feld, wo der Körper der Natur überlassen wird – nach der Überzeugung «Die Erde hat mich ernährt, jetzt ernähre ich die Erde». Die scheint für uns heute genauso abwegig wie die sogenannte Himmelsbestattung, die man vor allem in Ländern Zentralasiens praktizierte: Aufgrund harter Steppenerde, ohne Feuerholz hat man nach rituellen Beschwörungen den Köper den Geiern und anderen Wildtieren überlassen. Dabei kommt die damalige Hausbestattung bei Völkern mit starker Ahnenverehrung unserer heutigen Vorstellung einer Beerdigung schon sehr nahe, nur dass die Erdbestattung innerhalb des eigenen Wohnhauses stattgefunden hat.


Wer auf seinen Reisen Kirchen oder Klöster besucht und sich für die Geschichte jenes Zielortes interessiert, wird immer mal wieder mit «Gebeinen» eines heiligen konfrontiert, die dort ruhen. Aber wie kamen diese Gebeine dorthin? Eine damals übliche Bestattungsmethode war eine Grotte oder Gruft, also eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen wurde. Dazu kamen Gruftbestattungen und Bodengräber in sakralen Gebäuden, die möglichst nahe am Altar waren. Ein bevorzugter Bestattungsplatz für Adel und Standespersonen, die sich dadurch eine grössere Fürbitte und rascheren Eintritt in den Himmel erhofften.


Aber es gab auch noch das «mos tentonicus», ein Verfahren, welches angewendet wurde, um eine hochgestellte Person zurück an ihren Heimatort zu transportieren. Um eine Verwesung während dem langwierigen Transport zu vermeiden wurde der Körper gepökelt, damit das Fleisch vom Knochen getrennt wurde, so fanden die Gebeine ihren Weg zurück zur eigentlichen Grabstätte. Was für uns heute unvorstellbar klingt, waren damals gängige Methoden, die nicht zuletzt auch dem Unwissen über den menschlichen Körper geschuldet waren.


Heute gibt es viel raffinierte Methoden, die teilweise auch erst durch chemische und technische Kenntnisse möglich wurden. So kennt man zum Beispiel die alkalische Hydrolyse, auch Resomation genannt, bei der der Körper durch Einwirkung einer starken Lauge hydrolysiert, also komplett zersetzt wird. Diese Möglichkeit wird heute schon in den USA, Kanada, GB und Australien angeboten. Bei einer weiteren Methode wird der Körper gefriergetrocknet und anschliessend zu einem feinen geruchslosen Granulat zerkleinert, man nennt dieses Verfahren Promesion. Diese beiden Bestattungsarten erfordern ein Umdenken und eine pragmatische Lebenseinstellung zu herkömmlichen Bestattungsritualen.


Aber zurück zu früher. Wir unterscheiden Grabkammern (künstlich gehauene Höhlen) und Gruftkammern (gemauerte Grabstätten), die über- oder unterirdisch angelegt wurden. Man findet sie noch heute, vorwiegend in lateinischen Ländern, in Kellergewölben von Klöstern, Kirchen und Fürstenhäusern. Die wohl bekannteste solche Grabstätte finden wir in Wien, wo 145 Personen des habsburgischen Kaiserhauses bestattet und aufgebahrt sind. Ähnliches kennen wir auch von ganzen Grabfeldern oder Katakomben, also unterirdische Grabanlagen des frühen Christentums, die aus weit verzweigten Gängen und mehreren Stockwerken bestehen. Die Toten wurden in Wandnischen beigesetzt.



Wo kommt denn das alles her?

Die christlichen Bestattungsformen gehen zurück auf biblisch-jüdische Traditionen. So erkennt man in der Lehre des jüdischen Glaubens einen starken Bezug und eine Zusammengehörigkeit von Mensch und Erde durch den hebräischen Namen für Mensch «Adam» und Erdboden «Adamah». Während im antiken Rom bereits Erdbestattungen und Verbrennungen bekannt waren, gab es im frühen Christentum über Jahrhunderte hinweg nur die Erdbestattung. Dabei spielt der Glaube an die körperliche Auferstehung aber auch der Reliquienkult mit der Verehrung von Märtyrergebeinen eine besondere Rolle.



Alte Bestattungsbräuche erscheinen uns heute teilweise schwer nachvollziehbar, allerdings hatte man damals einen auch einen anderen Bezug zum Tod. Enge Familienmitglieder wurden zuhause aufgebahrt, es war völlig normal, dass man sich während einiger Tage von einem Familienmitglied in den eigenen Räumlichkeiten verabschieden konnte. Man hatte Besuch von Verwandten und Bekannten und die Kinder hatten einen ganz natürlichen Umgang mit dem Sterben miterlebt. Heute findet alles weit weg von zuhause statt, wir sterben in Heimen und Spitälern, werden aufgebahrt in eigens dafür eingerichteten Räumen und der direkte Kontakt mit einem Verstorbenen wird durch fremde Personen getätigt. Die Arbeit eines Bestattungsunternehmens beginnt mit dem Tod einer Person und endet mit der Übergabe der Urne oder des Sarges an den Friedhof oder das Krematorium. Die Urne selbst wird entweder von der Familie beim Krematorium oder bei uns abgeholt. Dazwischen liegen viele Arbeiten und Dienstleistungen, die man nicht sieht, und vor allem, die niemand aus der näheren Verwandtschaft des Verstorbenen mehr gewillt ist zu tun. Als renommiertes Bestattungsunternehmen versuchen wir diese Lücke zu füllen, nicht nur als externer Dienstleister, sondern auch als persönlicher Ansprechpartner, als verlängerter Arm der Familie und als Berater in einer schwierigen Zeit.