Sind leblose Körper unhygienisch oder gefährlich?

Aktualisiert: 10. Mai

Das Wort «Hygiene» ist dank der anhaltenden Pandemie und deren wechselnden Massnahmen, in den letzten Monaten zum Trendwort geworden. Die griechische Göttin der Gesundheit heisst «Hygieinos» und hat so dem Wort seine Bedeutung als «der Gesundheit zuträglich, heilsam) gegeben. In unserem heutigen Sprachgebrauch dehnen wir die Hygiene auf alle persönlichen und öffentlichen Massnahmen aus, die uns vor Krankheiten schützen sollen. Was heute alltäglich ist, war vor Corona hauptsächlich in den Krankenhäusern und im Pflegebereich von grosser Wichtigkeit.


Ist es gefährlich einen leblosen Körper zu berühren?

Der Körper eines Menschen ist vor und nach dem Tod identisch und deshalb grundsätzlich nicht weniger hygienisch, solange der Fäulnisprozess noch nicht begonnen hat. Viele Menschen denken, dass das Berühren eines Verstorbenen oder der Geruch selbst unhygienisch sei. Ein toter Körper ist jedoch bezüglich einer ansteckenden Krankheit genauso infektiös, wie es der Mensch zu Lebzeiten war. Zudem wird die Möglichkeit einer Infektionsübertragung vermindert, weil ein toter Körper keine Bakterien mehr ausatmen oder aushusten kann. Vorsichtig sollte man nur sein, wenn der Verstorbene eine ansteckende Krankheit hatte.


Wann spricht man vom Leichengeruch oder Leichengift?

Die Ursache der Fäulnis liegt in der Vermehrung von Bakterien, die sich vor allem im Dickdarm befinden. Die Haut verfärbt sich grünlich und es entsteht eine Gasbildung, die zur Hautablösung und Schwarzfärbung des Körpers führt. Erst beim Eintreten der Fäulnis kommt es zu dem äusserst penetranten Geruch. Der Begriff «Leichengift» ist ein Mythos, das gibt es nicht. Wieso kommt es nun aber zu dieser Fäulnis? Daran sind hauptsächlich Bakterien beteiligt, die sich hauptsächlich im Verdauungsapparat und auf der gesamten Haut befinden. Bakterien sind pflanzliche Einzeller (Lebewesen) mit einem Durchmesser von ca. 0,0002-0,001mm und sind verantwortlich für die Verdauung, die Gärung, Fäulnis und Krankheiten. Die Ursache der Fäulnis, und damit auch zum unangenehmen Geruch, ist die Vermehrung der Dickdarm-Bakterien. Das erklärt auch warum soeben Verstorbene keinen ungewöhnlichen Geruch verbreiten.


Brauchen wir Bakterien?

Bakterien verdoppeln sich bei normaler Temperatur innert 20 Minuten durch Zellteilung. Für unsere Verdauung braucht der Mensch unbedingt einen bakteriellen Prozess. Ein lebender Körper ist deshalb immer darum bemüht, ein Gleichgewicht für einen gesunden Bakterienhaushalt aufrecht zu erhalten. Er kämpft also dauernd gegen eine Überproduktion von Bakterien, was natürlich bei einem leblosen Körper nicht mehr möglich ist. Darum entstehen in einem toten Körper in kurzer Zeit Billionen von Bakterien, die sich alle in einer Stunde verachtfachen und so Gärung und Fäulnis auslösen. Das ist sicher unangenehm, aber für gesunde Menschen im Umkreis unbedenklich, zumal sich Bakterien kaum bewegen können und auch nicht selbständig durch die Luft fliegen.


Anders als Bakterien verhält es sich mit Viren


Viren sind äusserst komplizierte kleinste Lebewesen, die im Gegensatz zu Bakterien ohne lebende Wirtzelle (lebender Körper) inaktiv sind – doch auch hier gibt es Ausnahmen. Eine Übertragung kann also nur durch direkte Berührung erfolgen. Wenn vor dem Tod eine virale Krankheit diagnostiziert wurde, kann der tote Körper durchaus auch Tage später noch Viren übertragen. Solange man keine offenen Wunden oder rissige Haut hat, ist die Berührung des Verstorbenen unbedenklich. Anders verhält es sich allerdings mit hoch ansteckenden Krankheiten, wie zum Beispiel Covid-19, Cholera, Pest, Pocken, etc. welche spezielle Sicherheitsmassnahmen erfordern und auch nach dem Tod noch aktiv sind.


Kann ich einen Verstorbenen noch berühren?

Um das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten, sollte man wissen, an welcher Krankheit der Verstorbene gelitten hat. Bei hochinfektiösen Krankheiten hatte man bereits vorher viele Sicherheitskriterien bei einem Besuch zu erfüllen, das ändert sich durch den Tod nicht. Grundsätzlich kann man sagen, wenn Berührungen vor dem Tod möglich waren, sind sie es auch danach. Ein toter Körper ist nicht weniger hygienisch wie ein lebendiger. Es gibt Angehörige, die beim Zurechtmachen des Verstorbenen dabei sein wollen – dabei braucht es keine besonderen Schutzmassnahmen. In Spitälern wie bei Bestattern wird dem bakteriellen Wettlauf durch Kühlung Einhalt geboten, so kann eine Beerdigung oder Kremation auch Tage nach dem Tod problemlos durchgeführt werden.